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Split Secret


Gegensätze wie Fiktion und Wahrheit, An- und Abwesenheit, Verbergen und Enthüllen sowie das Spiel mit Andeutungen bestimmen das Werk von Martina Sauter (*1974 in Konstanz). Die Künstlerin verbindet in ihren Werken Standbilder von Filmklassikern, entweder mit einer neu inszenierten Fotografie oder – wie in ihren jüngsten Werken – mit Briefen, Zeitungen und Dokumenten, die durch kaum wahrnehmbare Einschnitte in den Fotoabzug montiert sind. Den Betrachter in ihren Bann ziehend erwecken die spannungsgeladenen Arbeiten Unbehagen und Neugier.

Die Arbeit »M« zeigt die Geldbörse von Marnie, der notorischen Kleptomanin aus dem gleichnamigen Film von Altmeister Alfred Hitchcock. Marnie wechselt kontinuierlich ihre Identität, um vordergründig der Strafe für ihre Betrügereien zu entgehen, aber vor allem, um ihre schrecklichen Kindheitserlebnisse zu verdrängen.
Ein anderes Werk lässt uns in einen geöffneten Koffer blicken und verweist auf eine Reise. Es ist der Koffer eines Journalisten, der in Michelangelo Antonionis Film »Beruf: Reporter« durch den Fund einer fremden Brieftasche die Identität von deren Besitzer annimmt. Nicht nur die Reise an einen anderen Ort, sondern vielmehr die Reise in eine andere Identität symbolisieren die Werke Martina Sauters in der Ausstellung »Split Secret«.

Trotz Abwesenheit der Protagonisten sind diese auf den Werken präsent. Ihre Accessoires sind zu sehen und verraten uns etwas über sie und ihre Geheimnisse, wie es auch der Ausstellungstitel andeutet, der durch ›split‹ darüber hinaus an eine Spaltung der Persönlichkeit erinnert sowie an die filmischen Produktionsweisen wie Montage, Schnitt, Licht- und Schatteneffekte, die Martina Sauter in ihren Werken zitiert und anwendet.

Die Ansammlung von Briefen und Zeitungen vor einer Türe, die auf einer weiteren Arbeit zu sehen ist, weist doppelt auf die Abwesenheit von Personen. Der anwachsende Wust an Papier dokumentiert einen Fortgang des Lebens, obwohl niemand da zu sein scheint. Sind die Bewohner nur auf Reisen oder ist etwas Unvorhergesehenes passiert?

Wie die Menschen bergen auch die Werke ›secrets‹, nicht nur durch die Auswahl von Filmstills, die mit einer geheimnisvollen Atmosphäre aufgeladen sind, auch durch die Papiere, welche die Künstlerin einarbeitet und von denen teilweise nur Ecken und Spitzen zu erspähen sind – und auch dies erst beim genauen Betrachten. Erst der Blick auf die Rückseite gibt preis, welche realen Dokumente die Künstlerin ins fiktive Bildgeschehen einsickern lässt.

In der heutigen Medienwelt sind wir allzeit umgeben von digitalen Bildern, die zu unserer Realität werden und es erschweren, die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion zu erkennen.

Sauter verweist auf die filmischen Erzählungen mit ihren imaginären Charakteren, lässt aber durch ihre Bildkomposition daraus auch ganz neue Geschichten entstehen. Die eingebetteten Papiere erinnern darüber hinaus an Geschichten, die das Leben schrieb. Es sind Briefe und Dokumente aus Martina Sauters privatem Umfeld, aber auch aktuelles Zeitgeschehen aus den Tageszeitungen. Bspw. der mysteriöse Tod des 29-jährigen deutschen Pokerspielers Johannes Strassmann fließt in die Werke der Künstlerin ein, die Zeitungsausschnitte aus der Zeit seines Ablebens im Juni 2014 in die Werke einfügt.

Der Weg ins UG der Galerie führt in die Welt des Pokers. Das Wahren von Geheimnissen ist beim Poker essentiell. Nur durch Veränderung der Persönlichkeit, durch das Aufsetzen einer Maske, dem sogenannten ›Pokerface‹, wird aus schlechten Karten ein imaginäres Gewinnerblatt.

Analog zu den aktuellen Werken von Martina Sauter zieht das Pokerspiel seinen Reiz aus den beiden Seiten einer Karte, aus Verbergen und Enthüllen. Im UG zitiert die Künstlerin bekannte Filme wie »Der Clou« und spickt die Stills mit Pokerkarten. In die Vorderseite der Bilder schieben sich jedoch nur die Rückseiten der Karten. Erst auf der Hinterseite der Werke erkennt man die Karten bzw. die ›Hand‹ des fiktiven Pokerspielers. Martina Sauter arbeitet so ein nahezu komplettes Poker-Kartendeck in die Auflage ihrer Werke und teilt jeder Nummer ein eigenes ›Blatt‹ zu, sodass jedes Exemplar zum Unikat wird.

Die Komposition der Rückseite ist Teil der Arbeiten, auch wenn sie verdeckt bleibt. Nur in einem der ausgestellten Werke kommt sie zum Vorschein, indem die Schauseiten vertauscht werden. Martina Sauter verschiebt Kontexte, lädt uns ein, die Perspektiven zu wechseln und andere Blickwinkel einzunehmen.